Eine der Besonderheiten der Tage der Utopie ist, dass die Themen nicht nur am Abend in den Vorträgen gehört und diskutiert werden können, sondern dass am Vormittag des nächsten oder am Nachmittag des gleichen Tages vertiefende Gespräche und Begegnungen im kleineren Kreis möglich sind.
In den vergangenen Jahren waren das die Dialoge und Workshops mit den Referentinnen und Referenten, heuer gibt es erstmals abwechselnd zwei weitere Formate zur Vertiefung des Gehörten ohne die jeweiligen Vortragenden: die Systemische Aufstellung und den Generativen Dialog.
Systemische Aufstellungen
Mit dieser Methode werden wirkmächtige, bekannte und unbekannte Aspekte des konkreten Vortragsthemas spielend repräsentiert, sie werden im Raum „aufgestellt“.
Viele kennen sicherlich das Konzept der Familienaufstellung und haben vielleicht schon einmal an einer solchen teilgenommen. Das Besondere daran ist, dass man langjährige Beziehungen und daraus resultierende Konflikte oder eingefahrene Verhaltensmuster körperlich spür- und damit verstehbar machen kann.
Siegfried Essen, der in Deutschland Psychologie, Theologie und Philosophie studiert hat und seit 1980 in Österreich lebt und als Psychotherapeut arbeitet, hat diese Methode für politische Systeme weiterentwickelt. Er skizziert, wie sie funktioniert, am Beispiel eines Themas der Tage der Utopie 2011 – der Gemeinwohlökonomie:
Wir formulieren eine Utopie, einen Wandel, eine Hoffnung, zum Beispiel, wir wollen mehr Gemeinwohlökonomie. Diese wird dann von einem Teilnehmer oder einer Teilnehmerin verkörpert. Dann frage ich die Gruppe: Welche Hindernisse gibt es für ihn oder sie? Das könnte sein die Politik, die Gier oder anderes. Personen aus der Gruppe kommen heraus und verkörpern dann die Politik oder die Gier, wie sie im Verhältnis zur Gemeinwohlöknomie stehen.
Dazu stelle ich dann einen Fokus, zum Beispiel eine Person, die möchte, dass sich etwas verändert. Ich frage sie: Wieso steuern Sie nicht direkt auf das Gemeinwohl zu und und sprechen es an, was es braucht?
Darauf werden dann die Gier und die Politik reagieren und so weiter, und am Ende hat man Hindernisse in Ressourcen transformiert.
Man denke dabei nicht nur über Lösungen für Probleme nach, man spüre sie, fasst Siegfried Essen die Bedeutung der Systemischen Aufstellung für politische Fragen zusammen.
Generativer Dialog
Der Generative Dialog ist das offene Gespräch am Ende der Diskussionen. Es ist eine Form der Kommunikation, die es erlaubt, gemeinsam schöpferisch unbekannte Felder zu erkunden, neue wegweisende Fragen und Einsichten zu entdecken und wahrzunehmen, welche Aspekte der Zukunft und welche Wünsche an sie bereits in die Gegenwart hereinragen.
Der Generative Dialog wird von Freeman Dhority, Mitbegründer des Dialogue-Project am Massachussetts Institute of Technology (MIT) in Boston gemeinsam mit der Diplompädagogin und Psychotherapeutin Steffi Dobkowitz geführt. Beide gehören weltweit zu den renommiertesten Forschern und Experten im Bereich dieser Dialogbegleitung. Seit 1999 arbeitet Freeman Dhority mit Steffi Dobkowitz an der Weiterentwicklung des Dialogprozesses, wobei es vor allem um die Integration der emotionalen Kompetenz geht. Ein paar Einblicke bietet die Website des deutschen Dialogprojekts.
Die Systemische Aufstellungen mit Siegfried Essen gibt es
am Mittwoch 24.April zum Thema von Oskar Negt "Nur noch Utopien sind realistisch. Für einen neuen Gesellschaftsentwurf Europas" und
am Donnerstag 25.April zum Thema von Kora Kristof "Wege zum Wandel. Wie wir gesellschaftliche Veränderungen erfolgreicher gestalten"
Der Generative Dialog mit Freeman Dhority und Steffi Dobkowitz findet statt
am Freitag 26. April zum Vortrag von Niko Paech "Expedition in ein Land nach dem Überfluss. Für eine Balance zwischen Konsum, Selbstversorgung und Entrümpelung" und
am Samstag 27.April.
Die Zeit: jeweils von 9.15 bis 12.30 Uhr.
Anmelden für diese Begegnungen können Sie sich – sofern diese nicht bereits ausgebucht sind – hier: Tage der Utopie | Anmeldung
Das Bildungshaus St.Arbogast in Götzis, Mitveranstalter und Tagungsort der Tage der Utopie, betreibt übrigens schon seit sechs Jahren ein Dialogprojekt mit Seminaren, Forschungsgruppen, Foren und Konferenzen.
Festival für eine gute Zukunft
Zukunftsbilder, Dialoge, Ausstellungen und Neue Musik
Dienstag 23. bis Sonntag 28. April 2013
Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast / 6840 Götzis / ÖsterreichFestival für eine
gute Zukunft
Dienstag 23. bis Sonntag 28. April 2013
Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast / 6840 Götzis / ÖsterreichFestival für eine
gute Zukunft
Mittwoch, 27. März 2013
Donnerstag, 14. März 2013
Schule der Utopie
Am Samstag den 27.April ab 19 Uhr wird die Berliner Schulleiterin Margret Rasfeld bei den Tagen der Utopie über "Schüler machen Schule. Zur Praxis einer Schule der Zukunft" vortragen, am Sonntag Vormittag gibt es dazu einen Workshop.
Margret Rasfeld ist Leiterin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum (abgekürzt ESBZ) und hat beginnend mit dem Jahr 2008 eine Utopie Wirklichkeit werden lassen, die sehr berührt. Aus einer "ganz normalen" Schule ist ein Vorzeigeprojekt, ein Modell geworden, wie Schule, an der man wirklich für das Leben lernt und an der Lernen Spaß macht, gestaltet sein könnte. An der ESBZ stehen nämlich nicht die Lehrerinnen und Lehrer im Mittelpunkt, sondern die Schülerinnen und Schüler. Sie bestimmen zu einem großen Teil, wie und was sie lernen wollen.
Wenn sie in die Schule eintreten, erhalten sie eine Art Abkommen über die Formen der Organisation, die Anforderungen und Ziele, die Regeln für das Zusammenleben und die Verpflichtung zur Leistung. Auch Konsequenzen im Falle von Verhalten, das gegen die vereinbarten Regeln verstößt, werden klar kommuniziert und auch gezogen. Allerdings gibt es keinen Frontal- oder Gruppenunterricht wie wir ihn großteils aus unseren Schulen kennen, sondern sogenannte Bausteine mit teils vorgegebenen Inhalten und Lernbüros, in denen sich die Schülerinnen und Schüler Einführungen in ein Thema und Hilfe beim Lernen und dem Erfüllen von Aufgaben holen können. Lehrer sind Begleiter und Berater, keine bedrohlichen Figuren, die vor der Tafel stehen. Neben den üblichen Fächern wie Deutsch, Mathematik, Fremdsprechen und Natur und Gesellschaft gibt es auch Fächer wie "Verantwortung" oder "Herausforderung", in denen sich die Jugendlichen selbstgewählt sozial engagieren und zum Beispiel mit Kindergartenkindern basteln oder in einem Altersheim helfen und sich selbstständig einer dreiwöchigen Herausforderung irgendwo draußen in der Welt (also mindestens außerhalb Berlins) stellen.
Mehr zu diesem Modell wird Margret Rasfeld in ihrem Vortrag erzählen und zeigen und wir wissen jetzt schon, dass es ein sehr spannender Vortrag werden wird, nach dem wir uns alle wahrscheinlich wünschen werden, dass alle Schulen so organisiert sind.
Die Tage der Utopie waren von diesem Konzept so begeistert, dass wir beschlossen haben, einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern aus Vorarlberg die Gelegenheit zu geben, die ESBZ kennenzulernen und ihre eigene Schule der Utopie zu entwickeln.
Jugendliche aus verschiedenen vorarlberger Schulen konnten sich dafür bewerben, zwölf von ihnen wurden aufgrund ihres Motivationsschreibens ausgewählt und werden sich kommende Woche zur Vorbereitung treffen. Geleitet wird das Projekt von Alexandra Abbrederis, die viel Erfahrung mit Bürgerbeteiligungen und dem Empowerment von Jugendlichen hat.
Dank der Unterstützung durch die Hilti Foundation können die Jugendlichen Anfang April eine Exkursion nach Berlin machen und die Evangelische Schule Berlin Zentrum kennenlernen. Bei den Tagen der Utopie werden sie ihre Ideen und Erfahrungen beim Workshop mit Margret Rasfeld berichten und in einer Ausstellung präsentieren. Über den Fortgang des Projekts in den kommenden Wochen halten wir Sie hier auf dem Laufenden. Ziel ist, dass die Ideen aus Berlin adaptiert und weitergetragen werden, damit ganz viele Schulen etwas Neues ausprobieren und umsetzen können.
Einen ersten Eindruck von den Schülerinnen und Schülern in Berlin, die unglaubliche Herausforderungen meistern, gibt dieses Video:
Margret Rasfeld ist Leiterin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum (abgekürzt ESBZ) und hat beginnend mit dem Jahr 2008 eine Utopie Wirklichkeit werden lassen, die sehr berührt. Aus einer "ganz normalen" Schule ist ein Vorzeigeprojekt, ein Modell geworden, wie Schule, an der man wirklich für das Leben lernt und an der Lernen Spaß macht, gestaltet sein könnte. An der ESBZ stehen nämlich nicht die Lehrerinnen und Lehrer im Mittelpunkt, sondern die Schülerinnen und Schüler. Sie bestimmen zu einem großen Teil, wie und was sie lernen wollen.
Wenn sie in die Schule eintreten, erhalten sie eine Art Abkommen über die Formen der Organisation, die Anforderungen und Ziele, die Regeln für das Zusammenleben und die Verpflichtung zur Leistung. Auch Konsequenzen im Falle von Verhalten, das gegen die vereinbarten Regeln verstößt, werden klar kommuniziert und auch gezogen. Allerdings gibt es keinen Frontal- oder Gruppenunterricht wie wir ihn großteils aus unseren Schulen kennen, sondern sogenannte Bausteine mit teils vorgegebenen Inhalten und Lernbüros, in denen sich die Schülerinnen und Schüler Einführungen in ein Thema und Hilfe beim Lernen und dem Erfüllen von Aufgaben holen können. Lehrer sind Begleiter und Berater, keine bedrohlichen Figuren, die vor der Tafel stehen. Neben den üblichen Fächern wie Deutsch, Mathematik, Fremdsprechen und Natur und Gesellschaft gibt es auch Fächer wie "Verantwortung" oder "Herausforderung", in denen sich die Jugendlichen selbstgewählt sozial engagieren und zum Beispiel mit Kindergartenkindern basteln oder in einem Altersheim helfen und sich selbstständig einer dreiwöchigen Herausforderung irgendwo draußen in der Welt (also mindestens außerhalb Berlins) stellen.
Mehr zu diesem Modell wird Margret Rasfeld in ihrem Vortrag erzählen und zeigen und wir wissen jetzt schon, dass es ein sehr spannender Vortrag werden wird, nach dem wir uns alle wahrscheinlich wünschen werden, dass alle Schulen so organisiert sind.
Die Tage der Utopie waren von diesem Konzept so begeistert, dass wir beschlossen haben, einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern aus Vorarlberg die Gelegenheit zu geben, die ESBZ kennenzulernen und ihre eigene Schule der Utopie zu entwickeln.
Jugendliche aus verschiedenen vorarlberger Schulen konnten sich dafür bewerben, zwölf von ihnen wurden aufgrund ihres Motivationsschreibens ausgewählt und werden sich kommende Woche zur Vorbereitung treffen. Geleitet wird das Projekt von Alexandra Abbrederis, die viel Erfahrung mit Bürgerbeteiligungen und dem Empowerment von Jugendlichen hat.
Dank der Unterstützung durch die Hilti Foundation können die Jugendlichen Anfang April eine Exkursion nach Berlin machen und die Evangelische Schule Berlin Zentrum kennenlernen. Bei den Tagen der Utopie werden sie ihre Ideen und Erfahrungen beim Workshop mit Margret Rasfeld berichten und in einer Ausstellung präsentieren. Über den Fortgang des Projekts in den kommenden Wochen halten wir Sie hier auf dem Laufenden. Ziel ist, dass die Ideen aus Berlin adaptiert und weitergetragen werden, damit ganz viele Schulen etwas Neues ausprobieren und umsetzen können.
Einen ersten Eindruck von den Schülerinnen und Schülern in Berlin, die unglaubliche Herausforderungen meistern, gibt dieses Video:
Sonntag, 3. März 2013
Zehn Jahre für eine gute Zukunft
Die "Tage der Utopie" wurden im Jahr 2003, also vor zehn Jahren das erste Mal
im Bildungshaus St.Arbogast abgehalten. Seither findet das "Festival
für eine gute Zukunft" alle zwei Jahre statt und bietet den
jeweils mehr als 1.200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Woche
voll mit Ideen, Eindrücken, Gesprächen und Erlebnissen. Vor allem
für jene, die die ganze Woche dabeisein können, bietet sich ein
intensiver Austausch mit WissenschaftlerInnen, ExpertInnen,
UnternehmerInnen, KünstlerInnen und den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die
durchwegs engagierte und offene Menschen sind.
Nach einem
interessanten Vortrag mit belebenden Visionen am Abend, der von
eigens für die "Tage der Utopie" komponierter Musik des
oder der jeweiligen "Artist in Residence" umrahmt wird,
gibt es am nächsten Tag bei Workshops oder Dialogen in kleiner Runde die Möglichkeit zur
Vertiefung und zur Entwicklung eigener Visionen und Ideen. Das gibt Mut, selbst die Veränderung zu sein.
Wichtig ist seit
Anbeginn, dass eine Woche lang nicht die Klage über die schlimmen
Zustände und den Mangel an Veränderung vorherrschen, sondern
Visionen, Strategien und Vorschläge präsentiert werden. Das
Programm ist so gestaltet, dass zwischen den Workshops und Vorträgen
reichlich Zeit für Spaziergänge, gemeinsame Essen und entspannte
Gespräche mit anderen TeilnehmerInnen bleibt, in denen das Gehörte
vertieft werden kann und neue Visionen und Projekte entstehen können.
Von der Vision zum Projekt
Bei den vergangenen
Tagen der Utopie im Jahr 2011 bildete sich nach jedem
Vormittagsdialog eine kleine Gruppe, die die Visionen gleich gemeinsam in
die Tat umsetzen wollte. Daraus ist zum Beispiel tisch: Wir bauenNachbarschaft! entstanden, ein Unternehmen, das
Baugemeinschaften durch alle Phasen eines Wohnprojektes begleitet.
Nach dem Vortrag von und Dialog mit Christian Felber über die Gemeinwohl-Ökonomie ist eine
Vernetzungsplattform für Vorarlberger Unternehmen entstanden, die sich der Gemeinwohl-Ökonomie verpflichtet sehen. Die
Gemeinwohl-Ökonomie Vorarlberg
hält monatliche Treffen ab, organisiert Vorträge und entwickelt das
Wirtschaftsmodell der Zukunft weiter.
Auch heuer gibt es
bei den "Tagen der Utopie" wieder interessante Ideen und
Entwürfe für eine gute Zukunft und sechs Tage lang die Gelegenheit,
eigene Visionen zu entwickeln und in der Folge vielleicht auch zu
realisieren.
Schätze im Archiv
Sie möchten wissen,
welche Visionen in den vergangenen zehn Jahren bei den Tagen der Utopie präsentiert
wurden? Dann schauen Sie in unser Archiv, dort finden Sie alle
Vortragenden und ihre Themen sowie Audios und Videos von ihren Vorträgen. Sie
haben außerdem die Möglichkeit, die zu den vergangenen Festivals
erschienenen Bücher mit Texten der Vortragenden und die CDs mit der jeweils uraufgeführten Musik zu kaufen.
Abonnieren
Kommentare (Atom)

